Münzen mit Geschichte
Das Geld von
Litzmannstadt
Ein numismatisches Zeitdokument
Liebe Sammlerinnen und Sammler,
2024 jährte sich die Liquidation des Gettos Litzmannstadt zum 80. Mal. Das Gettogeld von Litzmannstadt gehört zu den eindringlichsten numismatischen Zeugnissen dieser Zeit. Die Scheine und Münzen erinnern an ein System der Entrechtung, Kontrolle und Ausbeutung. Zugleich dokumentieren sie den Versuch der Eingeschlossenen, unter unmenschlichen Bedingungen ein Mindestmaß an Alltag, Ordnung und Hoffnung zu bewahren.
Die Geschichte
8. September 1939
Łódź wird von deutschen Truppen besetzt. Die Stadt ist ein bedeutendes industrielles Zentrum mit großer jüdischer Gemeinde.
Anfang 1940
Etwa 160.000 jüdische Einwohner werden in ein abgegrenztes Stadtviertel gezwungen. Das Getto wird abgeriegelt.
Ab 1940
Die Reichsmark wird im Getto außer Kraft gesetzt. Behörden führen eigenes Gettogeld ein, zunächst Scheine.
Ab 1942/1943
Es entstehen Kleinmünzen, ab 1943 unter anderem 5-Mark-Stücke aus Magnesium.
1940 bis 1944
Das Getto steht unter deutscher Kontrolle. Alltag, Arbeit und Geldverkehr bleiben streng reglementiert.
Sommer 1944
Das Getto wird liquidiert; die meisten verbliebenen Menschen werden nach Auschwitz-Birkenau deportiert.
Viele Menschen kennen den Begriff Getto aus der Geschichte des Nationalsozialismus. Weniger bekannt ist, dass sich in Łódź, von den deutschen Besatzern in Litzmannstadt umbenannt, ein besonders außergewöhnliches Kapitel der Geldgeschichte abspielte. Nach der Besetzung Polens wurde die Stadt in den annektierten Warthegau eingegliedert.
Am 8. September 1939 wurde Łódź von deutschen Truppen besetzt. Die Stadt war damals ein bedeutendes industrielles Zentrum mit einer großen jüdischen Gemeinde. Anfang 1940 wurden etwa 160.000 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner in ein abgegrenztes Stadtviertel gezwungen.
Ein Geld ohne Freiheit
Mit der Abriegelung wurde auch der Geldverkehr kontrolliert. Die Reichsmark wurde innerhalb des Gettos außer Kraft gesetzt; Besitz und Nutzung regulärer Zahlungsmittel waren verboten. Stattdessen führten die Behörden ein eigenes Gettogeld ein.
Kontrolle und Ausbeutung
Dieses Geld war kein normales Zahlungsmittel im freien Sinn. Es war ausschließlich im Getto gültig und Teil eines Systems, das die Bewohnerinnen und Bewohner wirtschaftlich isolierte. Dennoch wurde es im Alltag benötigt.
Verwaltung, Zwangsarbeit und Hoffnung
Die Verwaltung des Gettos stand unter deutscher Kontrolle. Mordechai Chaim Rumkowski, der von den Besatzern eingesetzte „Älteste der Juden“, organisierte eine jüdische Gettoverwaltung. Seine Strategie war es, die Arbeitskraft der Eingeschlossenen für die Deutschen unentbehrlich zu machen. Diese Hoffnung erfüllte sich nur für wenige.
Besondere Zeugnisse: 5-Mark-Münzen aus Magnesium
Besonders die 5-Mark-Münzen aus Magnesium sind heute seltene Zeugnisse. Magnesium war als Münzmaterial ungewöhnlich und schwierig zu verarbeiten. Dass unter den Bedingungen des Gettos dennoch brauchbare Münzen entstanden, macht diese Stücke numismatisch wie historisch bemerkenswert.
Echtheit und Verantwortung
Die Münzen von Litzmannstadt zählen heute zu den am häufigsten gefälschten Stücken dieses Sammelgebiets. Deshalb sind Echtheit, Herkunft und fachkundige Prüfung besonders wichtig. Jede angebotene 5-Mark-Münze wird mit einem Echtheitszertifikat ausgeliefert.
Ab 1942 entstanden Kleinmünzen, ab 1943 unter anderem 5-Mark-Stücke aus Magnesium. Viele Exemplare gingen verloren; erhaltene Stücke sind daher nicht nur Sammlerobjekte, sondern auch Mahnmale einer zerstörten Welt.
Ein solches Stück gehört in verantwortungsvolle Hände. Es ist ein historisches Dokument, das bewahrt, verstanden und mit Respekt weitergegeben werden sollte.



